Street-Fotos – meine schwarzweiß Einstellungen in Lightroom 6 (Beitrag 2017/02)

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Am vergangenen Sonntag und Montag war ich tagsüber auf’m Straßenkarneval in Düsseldorf unterwegs. Wie sich herausstellen sollte, war leider Samstag der Tag mit dem schöneren Fotografierwetter (Schöne Grüße an Frank Bräutigam aus Düsseldorf, tolle Fotos!). Das närrische Treiben am Sonntag auf der Kö bietet dafür sehr viel gute Laune und entsprechende Fotomotive. Den Rosenmontag dagegen empfand ich als wenig erbauend. Ich stand eher eingesperrt am Straßenrand inmitten einer Masse an Menschen, kaum Bewegungsfreiheit. Da ich nicht drauf aus bin Mottowagen und Marschkapellen zu „dokumentieren“, war der Sonntag der Tag, der mir deutlich mehr zusagte.

Einige Ergebnisse der beiden Tage könnt ihr in der Fotogalerie 2017 sehen. A pro pos “Ergebnisse” – mit dem Fotografieren ist nur der erste Teil der Arbeit getan. Die Fotos müssen noch vom RAW-Format in die hier veröffentlichte Form gebracht werden. Hierzu nutze ich Lightroom 6 (Adobe propagiert seit 2015 ihre Creative Cloud im Abo) aus dem Hause Adobe – ein sehr verbreitetes Programm, dass sicher auch der eine oder andere von euch im Einsatz hat. Im Folgenden beschreibe ich, wie ich meine Streetfotos vorwiegend bearbeite. Zu Landschaftsbildern, Portraits etc. gibt es demnächst eigene Beiträge.

Die erste Frage ist: Farbe oder Schwarzweiß? Wie unschwer zu erkennen ist, tendiere ich bisher klar zu Schwarzweiß. Einige der Fotos wirken auch in Farbe sehr gut. Aber ich tue mich schwer mit der Mischung aus Beidem. Manchmal belasse ich die Streetfotos trotzdem in Farbe, zum Beipiel wenn die Wirkung des Fotos genau auf der farbigen Gestaltung beruht. Warum die Vorliebe für Schwarzweiß? Da ist zum einen die Anlehnung an die Tradition der Streetfotografie(Cartier-Bresson und Co. lassen grüßen), aber eben auch die Konzentration auf die Inhalte des Fotos. Wer selbst regelmäßig Streetfotos schießt, kennt das. Enge Städte, hier ein grelles Straßenschild, dort eine leuchtende Ampel, dann noch ein Laternenmast und ein Auto, etc. Alternativ könnte ich mir vorstellen mit einem Tele zu arbeiten um Teile des Motivs besser zu isolieren. Aber das wiederum ist bei manchen Street-Fundamentalisten verpönt. Deshalb die Bearbeitung hin zu einem Schwarzweiß-Foto.

Ich erkläre die Bearbeitung an einem Beispielfoto. Ihr seht das Foto zum einen quasi unbearbeitet und zum anderen so, wie es nach meiner Entwicklung in Lightroom aussieht. „Unbearbeitet“ heißt in diesem Fall, dass ich das farbige RAW-Bild in Lightroom nur auf Schwarzweiß umstelle und als JPG speichere. “Bearbeitet” dagegen heißt, dass ich verschiedene Möglichkeiten im Bereich „Entwickeln“ in Lightroom 6 nutze. Das RAW-Bild ist also so etwas wie das Negativ im analogen Bereich, der Bereich „Entwickeln“ ist die digitale Dunkelkammer und das entwickelte JPG ist das Gegenstück zum klassischen Positivabzug auf Fotopapier.

Noch ein paar Infos zum Beispielbild: Ich hatte das Objektiv Summicron 50mm/2.0 “Rigid” drauf. Mit Blende 4 ist die Schärfentiefe entsprechend gering ausgfallen. Das Foto gehört nicht zu meinen Favoriten, aber es ist ein gutes Beispiel für diesen Beitrag.

Hier also das Beispielfoto „unbearbeitet“ (oben) und “bearbeitet“ (unten). Unterschiede sind zum Beispiel bei dem Mann links im Bereich des umgehängten Schildes, der Haare und des Pullovers deutlich zu erkennen. Mir gefällt dabei das bearbeitete Foto besser, aber jeder hat seinen eigenen Geschmack. Ich versuche meist den schwarzweiß-Kontrast etwas mehr herauszuarbeiten, aber die entstehenden Bilder weiterhin natürlich wirken zu lassen.

 

 

Zum Entwickeln eines Fotos in Lightroom 6 wechseln wir zunächst in den entsprechenden Modus. Oben rechts im Menu gibt es hierzu die Möglichkeit “Entwickeln” anzuklicken oder auch im Hauptmenü. Im oberen Teil des sich öffnenden Bereichs befinden sich die Bearbeitungsfunktionen mit Einfluss auf die Belichtung und Kontrast und eben auch die mögliche Umwandlung in Schwarzweiß. Ein paar habe ich hier mit rot markiert und unter dem Screenshot etwas dazu geschrieben.

 

In diesem Beispiel sind alle Werte auf Grundstellung (bis auf Schwarzweiß) und das Ergebnis ist das oberste “unbearbeitete” Foto der beiden Beispielbilder.

(1) Das Histogramm zum Original Beispielbild zeigt, dass es sich um ein recht ordentlich belichtetes Foto handelt. Wir haben erkennbar viele dunkle Anteile (linker Teil des Histogramms). Die überbelichteten Bereiche, erkennbar am kleinen weißen Dreieck rechts, befinden sich in den Lampen des Getränkestandes. Durch Anklicken des Dreiecks im linken Bereich sind die Spitzen in Lightroom 6 sehr leicht zu erkennen. Rote Markierungen machen sie sichtbar.

 

(2) Hier ist die Schaltfläche zu finden, die wir anklicken müssen um ein Farb- in ein Schwarzweiß-Foto umzuwandeln

(3) In diesem Bereich ist für das „unbearbeitete“ Fotos nichts verändert worden. Weiter unten gehe ich auf die Einstellungen ein.

(4) Die Gradationskurve ist ebenfalls unverändert auf Grundeinstellung, genau wie alle weiteren Einstellmöglichkeiten, die auf diesem Screenshot nicht zu sehen sind, wie zum Beispiel Rauschreduzierung und Schärfen. Auch hierzu unten mehr.

 

Kommen wir zu dem bearbeiteten Foto. In grün habe ich die Veränderungen kenntlich gemacht die in der Summe zu dem Ergebnis geführt haben.

 

(1) Die Veränderung am Histogramm ist nicht manuell erfolgt. Das Histogramm reagiert auf Veränderungen in den einzelnen Einstellungen (siehe Punkt 2 und 3). Der weiße Pfeil im linken Teil besagt, dass nun Teile des Fotos so weit unterbelichtet sind, dass in diesen Teilen keine Konturen mehr erkennbar sind. Durch das Klicken auf den Pfeilen zeigt Lightroom, dass diese Anteile in der oberen rechten Ecke und in dem Bereich des Pfeilers oberhalb der angeklebten Speise-/Getränkekarte ganz oben liegen. Diese sind mir für die Bildaussage mal gerade ganz egal und ich nehme das so in Kauf.

(2) In diesem Bereich nehme ich in den meisten Streetfotos die Lichter etwas raus, gehe in den Tiefen und in der Klarheit etwas hoch. Schwarz und Weiß editiere ich manchmal noch etwas, ist aber Geschmackssache. Alle diese Änderungen haben unmittelbare Auswirkungen aufs Histogramm. Achtet bitte darauf, dass sich das Histogramm weiterhin ausgewogen verhält und keine ausgebrannten Stellen (über-/unterbelichtet ohne Struktur) entstehen. Außer dort, wo ihr es wie in meinem Beispiel verkraften könnt

(3) Die Gradationskurve/Punktkurve stelle ich im Streetbereich meist auf „Mittlerer Kontrast“. Je nach Gegebenheit machen aber ach andere Auswahlen Sinn. Zum Beispiel bei Nebelbildern bleibe ich i.d.R. auf der Voreintstellung „Linear“. Die Kurve kann auch manuell verändert werden. Hierzu einfach die Linie anklicken und bei gedrückter Maus die Kurve verschieben. So lassen sich gezielt härtere oder weichere Kontraste erzielen. Alle Veränderungen in der Gradationskurve haben ebenfalls einen Einfluß auf das Histogramm.

 

 

(4) Die Schwarzweißmischung nutze ich nicht so oft. Aber manchmal ist sie sehr hilfreich. Hier kann ich zum Beispiel die Wirkung von Farben im Schwarzweiß-Foto hervorheben. Zum Beispiel kann die Präsenz des Himmels, von Wiesen etc. stärker hervorgehoben oder abgeschwächt werden. Natürlich bleibt das Foto dabei schwarzweiß. Einfach mal ausprobieren und auch hier das Histogramm im Auge behalten.

(5) Im Bereich Schärfen verändere ich schon mal die Maskierung. Wenn ihr beim Verändern des Reglers gleichzeitig die ALT-Taste drückt, wird die Funktion denke ich klar. Ansonsten nutze ich diesen Bereich eher wenig. Entweder das Foto ist scharf oder eben nicht.

(6) Die Rauschreduzierung dagegen finde ich sehr wichtig. Gerade bei Fotos mit großen dunklen oder hellen Flächen oder bei hoher ISO-Zahl setze ich sie eigentlich immer ein. Ich gehe hier gerne auf 50%. Bei schwierigen Bildern auch höher.

(7) Die Profilkorrekturen nutze ich ausnahmslos bei jedem Foto. Nach der Aktivierung findet Lightroom meist das genutzte Objektiv automatisch. Wenn nicht, kann es aus einer Liste ausgewählt werden.

(8) Bei vielen Schwarzweiß-Fotos nehme ich eine leicht Vignettierung vor. Regler nach Links = dunkler Rand, Regler nach rechts = heller Rand (habe ich noch nie genutzt)

(9) Körnung = Geschmackssache. Ich nutze sie fast nie, kenne aber Fotografen, die diesen Regler intensiv nutzen. Bei analogen Filmen spielt(e) die Körnung eine größere Rolle und tritt mit steigender ISO Zahl automatisch auf.  Im digitalen Bereich mit der Vollformat Kamera ist dieser Effekt abgemildert, kann aber hiermit erzwungen bzw. verstärkt werden.

So, das soll es gewesen sein. Über Feedback und Fragen freue ich mich natürlich.

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5 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo. Dank für den umfassenden Artikel.Ich mag Deine Webseite!

    Antworten
  • Frank Bräutigam
    27. März 2017 12:52

    Moin Moin ,
    super geschrieben und deckt sich fast mit meiner Bearbeitung in LR. Mittlerweile habe ich mein Preset für Schwarz/Weiss , was die Bearbeitung sehr vereinfacht. Ein Klick und es ist fertig, vielleicht noch einen kleinen Feinschliff, aber mehr nicht.
    Deine Seite hier gefällt mir sehr gut und ich schauen gerne immer mal wieder rein 🙂
    Bis Bald und Gruss
    Frank

    Antworten
    • Hallo Frank, Danke für das positive Feedback. Das mit dem Preset ist eine gute Idee. Werde ich auch mal angehen.

      Kennst du Silver Efex Pro. Das beinhaltet viele verschiedene Presets. Manchmal lasse ich mal ein Bild durch die presets dort laufen um mir Anregungen zu holen. Das ganze ist inzwischen kostenlos als Teil der NIK Collection von Google.

      VG und bis bald

      Antworten
  • I hope more such alerts, really good piece of article.

    Antworten

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