Autor: Kim Olsen

Lochkamera – mein erster Film

Meine Schwester macht mir den Beginn dieses Beitrags leicht. Was ist denn eine Lochkamera? Sicher keine Kamera, die durch Löcher auf den Bildern funktioniert … Grüße liebe Susanne 🙂

Eine Lochkamera hat ein Loch und ein Aufnahmemedium und der Rest ist Beiwerk

. Das Aufnahmemedium ist zumeist ein analoger Film – Negativ oder Diapositiv – 35 mm oder 120er Film; also klassisches Mittelformat. Aber mit dem simplen Loch kann man auch genau so gut seine Bilder digital bannen oder auf Polaroid oder auf 4×5 oder 8×10. Dabei gibt es diverse Kameras, sehr sehr sehr viele Marke Eigenbau, aber auch Anbieter wie Ilford für 4×5 und 8×10 oder viele handwerklich tolle Anbieter für Kameras für klassische Rollfilme und 35 mm.

Ich habe mir eine handwerklich tolle Loch-Kamera von Vermeer-Kamera aus Polen Online gekauft für 120er Filme (klassisches Mittelformat) mit der Möglichkeit 6×6 oder 6×9 Aufnahmen. Es gibt aber auch noch einige andere wunderbare Anbieter.

Mit dem Kauf beginnt das Abenteuer. Wie lege ich einen Rollfilm ein? Spule ich ihn am Ende zurück? Wie spule ich vor und lese ab wo das nächste Bild aufgenommen werden kann und ganz wichtig … wie lange belichte ich?

Ich gehe die Fragen im Einzelnen durch.

1. 120er Film.
Das Einlegen ist sehr einfach und kann in diversen Internetvideos und Beiträgen angesehen werden. Ich erwähne das Thema nur hier, weil ich nicht wusste, dass ich im Vorhinein eine Spule brauche, auf die ich den Film spule. Da ich keine Spule vorrätig hatte und es bei meinem ersten Versuch Sonntag war, musste ich einen unbelichteten Film opfern um an die benötigte Spule zu kommen. Also ganz klarer Tipp: Eine Spule besorgen, auf die der erste Film gespult werden kann. Und “Nein, der Film wird nicht zurück gespult, wie zum Beispiel bei 35mm Patronen. Die Spule des aktuell verknipsten Films, wird die Zielspule des kommenden Films. Einfach den Film nach der letzten Aufnahme weiter spulen, bis der Film komplett abgespult ist.

2. Ablesen der Aufnahme.
Die aktuelle Aufnahme kann auf der Rückseite des Films abgelesen werden. Lochkameras und auch andere analoge Mittelformatkameras haben dafür eine Ablesemöglichkeit. Bei den 120er Filmen gibt es diverse Aufnahmeformate von 6×4.5, 6×6, 6×7, 6×9, 6×12 bis hin zu anderen Formaten. Bei 6×6 kann ich mit einem 120er Film 12 Aufnahmen tätigen und bei 6×9 sind es 8 Aufnahmen.

3. Meine Erfahrungen mit dem ersten Film in der Lochkamera
Ich habe meinen ersten Film bei 6×6 aufgenommen.
Und neben diversen organisatorischen Themen auf die ich hier schon eingegangen werden, ist das Hauptthema, wie belichte ich den Film.

Meine Lochkamera hat eine Blende von 233. Diese berechnet sich durch den Abstand Loch zum Film (fokale Länge) bei mir 35mm und den Durchmesser des Lochs, bei mir 0,15mm. Die Blende = fokale Länge geteilt durch Öffnung. Daraus ergibt sich bei mir eine Blende von 233 (35mm geteilt durch 0,15mm).  Leider habe ich und auch niemand anders einen Belichtungsmesser, der aufzeigt, wie die richtigen Belichtungswerte für Blende 233 sind.

Deshalb messe ich meine Belichtungen per Belichtungsmesser auf Basis von Blende 22 und rechne den Belichtungswert um in 233mm.

Das passiert durch eine Formel (233/22) zum Quadrat. Das ergibt einen Faktor von 112. Also die Belichtungszeit, die ich auf Blende 22 ermittle, multipliziere ich mit 112. Das ergibt die theoretisch richtige Belichtungszeit. Denn hier greift nich der sogenannte Schwarzschildeffekt. Dieser führt dazu, dass ich bei errechneten Belichtungszeiten von mehr als 1 sek (teilweise wird auch von 0,5 sek geschrieben) die Belichtung erhöhen muss. Dieser hängt ab vom benutzten Film. Eine Faustformel sagt, dass bei Belichtungszeiten von mehr als einer Sekunde, die Belichtungszeit verdoppelt werden soll. Und bei Belichtungszeiten von mehr als einer Minute soll sie vervierfacht werden … das ist keine Seltenheit bei Lochkameras. Ich habe bei meinem ersten Film mit diesen Zahlen gute Erfahrungen gemacht.

Hier die Ergebnisse des erste Films. Die Belichtungszeiten lagen zwischen 2 Sekunden und 13 Minuten.

Es gab Fehler mit Doppelbelichtungen und ein Bild wurde nicht aufgenommen, wegen Fehlablesungen beim Vorspulen. Hier der komplette Film, digital gescannt, leider auch die Bildausschnitte nicht ganz korrekt. Aber ich glaube bei der analogen Entwicklung könnten ein paar gute Aufnahmen dabei sein.

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Paris, Musée d’Orsay, Juni 2017

Leica M (240)
Elmarit, 28mm Vers. 3

 

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